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Die aserbaidschanische Sprache (Azerbaycan dili), auch vielfach Azeri (sprich Aseri) oder Aserbaidschan-Türkisch genannt, ist die Bezeichnung für die überwiegend im Iran, der Türkei und in Aserbaidschan (Amtssprache) gesprochene Sprache. Sie gehört zu den oghusischen Sprachen. 1994 wurde die heutige Sprachbezeichnung eingeführt.
Heutige Eigenbezeichnungen des Aserbaidschanischen sind:
- Azerbaycan Türkcesi (deutsch: Aserbaidschan-Türkisch oder aserbaidschanisches Türkisch bzw. Türkisch)
- Azerbaycan Türk dili (deutsch: Aserbaidschan-türkische Sprache oder aserbaidschanisch-türkische Sprache).
- Türkce bzw. Türki (deutsch: Türkisch)
- Azerbaycanca (deutsch: Aserbaidschanisch)
- Türk dili (deutsch: türkische Sprache)
- Azerice (deutsch: Aseri bzw. Aserisch)
- آذربایجان دیلی (perso-arabische Schreibweise) - Azerbaycan dili (deutsch: Aserbaidschanische Sprache)
- آذربایجانجا (perso-arabisch) - Azerbaycanca (deutsch: Aserbaidschanisch)
Bis zum Jahre 1992 wurde von den Russen und auch von den Aserbaidschanern die ältere Sprachbezeichnung „Aseri-Türkisch“ (Azeri Türkcesi) für die Amtssprache Aserbaidschans verwendet, die heute allerdings nur noch von der türkischen Turkologie weiter verwendet wird.
Das Nordaserbaidschanische bildete einst mit dem im Iran gesprochenen Südaserbaidschanischen die Sprachgruppe des Aserbaidschan-Türkischen.
Das Aserbaidschan-Türkische gilt – neben des Osmanischen – als unmittelbarer Erbe des Oghusischen und hat damit das Türkische und auch das Turkmenische als engere Verwandte. Aserbaidschan-Türkisch ist heute eine der südwestlichen Turksprachen/Oghusischen Sprachen. Es ist seit dem 11. Jahrhundert Schriftsprache und wurde mit dem arabischen Alphabet geschrieben.
Ab dem 12. Jahrhundert begann die Trennung des eigentlichen Aserbaidschanisch-Türkischen vom eigentlichen Türkeitürkischen, die bereits um 1450 vollzogen war.
1828 wurde das aserbaidschan-türkische Sprachgebiet zwischen Russland und Persien geteilt: das nördliche Sprachgebiet, das im wesentlichen die alte persische Provinz Aran umfasste, kam an das russische Zarenreich, während das südliche weiterhin unter persischer Kontrolle blieb.
Aus dem nördlichen Sprachgebiet ging in der Folgezeit das „Nordaserbaidschanische“ – oder besser die als „Neu-Aserbaidschanisch“ bekannte Sprache – hervor, während das südliche Sprachgebiet im Wesentlichen auf dem altertümlichen Lautstand des alten Aserbaidschan-Türkischen verblieb. Infolge der Grenzziehung zwischen Russland und dem Osmanischen Reich fiel ein großer Teil des nordaserbaidschanischen Sprachgebietes an die heutige Türkei.
1923 wurde in Baku den Turkvölkern ein lateinisch-basiertes Alphabet vorgestellt, das so gut entwickelt war, dass es schließlich von allen nichtslawischen Völkern Russlands übernommen wurde: Das „einheitliche türkische Alphabet“, das die Aserbaidschaner ursprünglich Yeni Yol („neuer Weg“) nannten. 1930 wurde dieses Alphabet verbindlich für Aserbaidschan übernommen, doch musste die Landessprache ab 1940 in einem angepassten kyrillischen Alphabet geschrieben werden.
Seit 1991 gilt in Aserbaidschan das Türkei-türkische Alphabet, das um 5 Zusatzzeichen ergänzt wurde. Dieses Alphabet heißt nun – wie auch ursprünglich in der benachbarten Türkei – „neues türkisches Alphabet“. Die Vertreter aller Turkstaaten hatten zuvor beschlossen, dieses Alphabet bis 2005 zu übernehmen oder auf seiner Grundlage ein eigenes zu entwickeln.
Die gesamte Sprecherzahl beläuft sich auf rund zwischen 14 und 24 Millionen. Ungefähr 20-37,5 % der Bevölkerung geben im Iran dann auch Türki als Muttersprache an, und von diesen sind dann auch rund 9,8 Millionen als „aserbaidschanische Minderheit“ von der schiitischen Regierung anerkannt. Umstritten ist jedoch die sprachliche Zugehörigkeit der sogenannten „Chorassan-Türken“ im nordöstlichen Iran. Von der Wurzel her ist sie jedoch als südliches Aserbaidschan-Türkisch anzusehen, weist aber zahlreiche Übergänge in die benachbarten Turksprachen Turkmenisch und Usbekisch auf.
In dieser Zahl sind auch die rund 290.000 Afşar, 5.000 Aynallu, 7.500 Baharlu, 1.000 Moqaddam, 3.500 Nafar, 1.000 Pişagçi, 3.000 Qajar, 2.000 Qaragozlu und 65.000 Şahsavani (1978) enthalten.
Rund 5.000 Sprecher des Südaserbaidschanischen leben heute in Afghanistan. Die Volksgruppe der irakischen Turkomanen, die nach ihrem Heimatstaat als „Irak-Türken“ bezeichnet und die auf eine Kopfzahl zwischen 900.000 (UNO-Angabe) und 2,5 Millionen (Eigenangabe) geschätzt werden, und die 30.000 „Türken“ in Syrien (1961) gelten im Allgemeinen als Sprecher des Südaserbaidschanischen. Die Diskrepanz zwischen den Angaben im Irak ergeben sich durch die koloniale Erfahrung, also der osmanischen Besatzungszeit, türkisch galt in weiten Teilen des Landes als Umgangssprache, gerade innerhalb des kurdischen Adels und der Stadtbevölkerung, so dass man zwischen der tatsächlichen Anzahl von Turkmenen und türkischsprachigen Menschen unterscheiden muss, insbesondere in Städten wie Kerkuk, Musil oder Arbil, war türkisch Umgangssprache und wurde erst mit der Staatsgründung des Irak, langsam durch Arabisch, später durch Kurdisch verdrängt, so dass die tatsächliche Anzahl türkischsprachiger Menschen die zwei Millionen Marke überschreitet, während die Zahl der Turkmenen als niedriger anzusetzen ist.
Rund 530.000 Sprecher des Aserbaidschan-Türkischen leben offiziell in der Türkei, doch dürfte ihre Zahl dort aber wesentlich höher sein. Heute gelten die Bewohner der aus der alten Provinzen Kars entstandenen Provinzen Kars, Iğdir und Ardahan als Aserbaidschan-Türken. Insgesamt kann heute von 2 Millionen Sprecher des Aserbaidschan-Türkischen in der Türkei ausgegangen werden.
Einige Hundert Südaserbaidschaner leben auch in Jordanien, und werden dort den „Türken“ zugerechnet, während sie sich selbst als „Turkmenen“ bezeichnen.
Das südliche Aserbaidschan-Türkische zerfällt noch heute in zahlreiche Dialekte: Aynallu (Inallu, Inanlu), Qarapapak, Təbriz, Afşari (Afşar, Afsar), Şahsavani (Şahseven), Moqaddam, Baharlu (Qameş), Nafar, Qaragozlu, Pişagçi, Bayat und Qajar.
Als eigenständige aserbaidschan-türkische Dialekte gelten auch die Sprachen der Teimurtaş, das auch als „Teimuri“, „Timuri“ oder „Taimouri“ bekannt ist, in Mazandaran. Dieser entstammt usbekisch-turkmenischer Wurzel, und die rund 7.000 Sprecher führen sich auf den Mongolenherrscher Timur zurück. Die Volksgruppe der Salçug (Provinz Kerman) gelten als Nachfahren der Seldschuken, während die Herkunft der Qaşqai noch nicht ganz geklärt ist. Doch gilt als gesichert, daß ihre Vorfahren überwiegend oghusischer Herkunft waren. |